Zu meiner Person kurz und bündig:
Geboren 1956, verheiratet und seit den 80er Jahren in Südbaden lebend. Geboren, zur Schule gegangen und die Jugend verbrachte ich in der nordbadischen "Goldstadt" Pforzheim. Diese Stadt hat eine furchtbare Vergangenheit, denn am 23.02.1945 verlor sie bei einem englischen Bomberangriff mit Brandbomben apokalyptischen Ausmasses binnen kürzester Zeit ca. ein Drittel ihrer Einwohner unter dem Bombenhagel der englischen Flieger.
GEBURTSSTADT
Die Pforzheimer haben nach Kriegsende mit aller Kraft an eine Zeitenwende geglaubt und den wirtschaftlichen Wohlstand dieser Stadt aufgebaut in den ich dann 11 Jahre nach Kriegsende hineingeboren wurde. Meine Eltern kamen aus dem Spieß-/Gutbürgerlichen Mittelstand, sie zogen vom Land in die Stadt Pforzheim in ein typisches Stadtviertel. Hier wuchs ich unter Stadtkindern auf. Wir in der Nordstadt spielten übrigens noch in zahlreichen Trümmergrundstücken und ich erinnere mich noch teilweise gut daran. Für Kinder war diese Stadt ein Abenteuerspielplatz, für die Bewohner aber auch schmerzliche Erinnerung. Doch das verblasste. Die Stadt Pforzheim war nie eine Schönheit, zwischen Stuttgart und Karlsruhe eher ein schnöder, zweckmäßiger Kaktus, der der Jugend wenig Abwechslung und berufliche Chancen bot. Die gut situierten Söhne und Töchter der Pforzheimer Fabrikanten und Mittelständler konnten dagegen auf "das Familiengold" der eigenen Firma aufbauen. Für die Meisten meiner Freunde bedeutete es aber mangels Chancen den späteren Wegzug, um sich eine Karriere andernorts aufzubauen.
AHNEN
Leider hat mein Elternhaus keine gute Beziehung zur eigenen Familie und den Vorfahren. Ein Bruder meiner Mutter war ein dekorierter Soldat und Haudegen im 2. Weltkrieg. Ein anderer kam wahnsinnig aus dem Krieg zurück und flüchtete sich in die Sekte der Zeugen Jehovas. Mein Großvater mütterlicherseits war ein großer Landwirt und zeichnete sich durch sein gewalttätiges Verhalten aus. Meine Oma, die er heiratete, entsprang bescheidenen Verhältnissen und kam aus der Region Waldshut. Sie soll als Magd beim badischen Hof gearbeitet haben und erzählte Bruchstücke vom Kaspar Hauser, worüber sie wohl etwas wusste. Mir denkt, dass man oft den Begriff "graue Eminenzen" ins Spiel brachte, wenn es um mir völlig fremde Zeitthemen ging. Was beide aus dem erlebten Krieg mitbrachten, weis ich leider nicht. Es wurde bewusst verheimlicht.
JUGEND
Pforzheim war nicht nur meine Geburtsstadt, sie war auch mein Spielplatz. Man baute überall die Trümmer zu modernen Gebäuden um und doch blieben in der Nordstadt, wo wir wohnten, zahlreiche Grundstücke sich überlassen. Das Sterben ganzer Familien im Krieg war wohl der Grund für manche offensichtliche Ruinen oder düstere Flächen. Ich ging in die Nordstadtschule als Knabe in die Volkschule und fühlte mich als Stadtkind wohl, denn es gab zahlreiche Parks und Grünflächen und aus den Häusern kamen in dieser Zeit viele Kinder. Und ich kann mich selbst heute noch an eine Begebenheit erinnern, die eigentlich schaudern lässt. Beim Spielen in der Stadt in einem Park tauchte aus der Erde ein blütenweißer Schädel auf. Es war kein Tier, es war ein menschliches Relikt. Wir Kinder bestaunten es und zumindest mir haftete dies im Gedächtnis. Das Morden der Briten kannte ich damals noch nicht, vermutlich ein Opfer der Bombennacht. In den Sommerferien verbrachte ich die Zeit bei den Verwandten auf dem Land, Teilnahme an der Hausschlachtung inbegriffen. Der Geruch und das Ganze rund um die aufwendige Verarbeitung des Tieres zu schmackhaften Gerichten und Konserven liebte ich. Im Schwarzwald erlebte ich einige aufregende Sommer bei einer alten Tante, die bescheiden in einem typischen Schwarzwaldhaus lebte. Dort war ich bei den Heuernten der nachbarlichen Bauern dabei, erlebte als Kind die abendlichen Feuer, in die man die Kartoffeln später legte und verzehrte, wenn die Glut sie gar gemacht hatte. Leider gab es aber auch Unfälle mit dem Wild, wenn die Traktoren mit ihren Balkenmähern über die Felder fuhren und dabei manches Rehkitz erwischten. Für uns Kinder ein schreckliches Erlebnis. Aber dies war halt so. Interessanterweise soll in der Gegend die letzte russische Zarentochter sehr zurückgezogen gelebt haben.
SCHULE UND LEHRE
Meine Eltern blieben Pforzheim und das bedeutete: meine Eltern drängten mich aufgrund eines guten Notendurchschnitts in der Volksschule ins neusprachliche Hebelgymnasium in Pforzheim, das mir nur minimalen Spaß machte. Meine Probleme mit den Lehrern als Heranwachsender war offenkundig. Die (meisten) Lehrer mochte ich einfach nicht. Der Lateinlehrer war ein Opfer des Krieges und Choleriker. Mit meinem Banknachbarn, dem reiferen Sohn eines jüdischen Diamantenhändlers wurden lieber in diversen Jugendzentren Partys organisiert. Im Gegensatz zu ihm, dessen Vater auch mal schnell direkten Druck ausübte, schaffte es mein bürgerliches Elternhaus nicht, mich zu bändigen. Das hatte Folgen. Ich "flog" vor der mittleren Reife mangels Fleiß heraus. Weil meine Welt zum Leidwesen der Eltern bereits damals die Pforzheimer linke Subkultur war und der Freundeskreis nicht der Vorstellung des bräsigen Mittelstands entsprach, setzte ich immer meinen Kopf durch und war wohl ein "enfant terrible". Das hatte für mich aber auch Folgen: meine Eltern "zwangen mich" in eine Lehre bei einem bekannten Versicherungshaus in Pforzheim, bei dem ich nur widerwillig die Lehre absolvierte und abschloss. Jahrzehnte später konnte ich doch noch einen interessanten Baustein ergänzen: mein direkter "Nachfolger" meines jüdischen Mitschülers am Hebelgymnasium wurde die heute bekannte Figur im alternativen Medienraum, nämlich der spätere Verleger des Compact Magazins Jürgen Elsässer.
FREUNDE UND REBELLEN
Wir (d.h. einige aus diesem besagten Freundeskreis und ich) zogen pünktlich mit Erreichen des 18. Lebensjahres aus dem jeweiligen Elternhaus aus, mieteten zusammen eine große Wohnung auf dem neu erbauten Pforzheimer Wohnviertel Haidach, und nannten uns fortan "WG". Eine Wohngemeinschaft war in diesen Zeiten der offene Tabubruch mit dem braven Establishment. Unsere Nachbarn im neuen Stadtteil waren Schmuckhändler, Schwule und allerlei gut bürgerliche, kurz ein Kunterbunt von Menschen, die in der wachsenden Schmuckstadt Pforzheim ihr Zuhause suchten und dort fanden. Obwohl innere Rebellen verhielten wir uns eher unauffällig. Fast zwei Jahre lebten wir eng an eng zusammen. Sex, Drugs und Rock'n Roll und manchmal ging es dann auch mal im Porsche des Nachbarn in die Stuttgarter Discoszene oder zu Fuß in den damaligen Pforzheimer Schinderhannes, einem damals berühmten schillernden Szenetreff, wo auch der mittlerweile verstorbene Boxer Rene Weller Hofstaat hielt. Jedes mögliche Rockkonzert ringsum sah uns. Und es war die Zeit, die Udo Lindenberg so poetisch in dem Lied Daumen im Wind beschrieb: viele von uns trampten ja zur Berufsschule ins nahe Karlsruhe und hoben wie ich den Daumen am Straßenrand hoch, auch um mal ohne große Kosten in die Ferne zu reisen. Das hatte Folgen.
DAUMEN IM WIND
Der erste "Urlaub" in der Lehre erlebte ich mit 19, gutem Freund und dem szenebeliebten Bundeswehrrucksack. Es ging los mit 200 Mark in der Tasche für 4 Wochen nach Saintes-Maries-de-la-Mer an die Küste Frankreichs. Hier reisten wir in der Camargue und ans Meer. Dies war damals Sehnsuchtsort vieler Langhaariger, Hippies und Außenseiter. Geschlafen wurde am Strand, im Zelt und jeden Abend am Lagerfeuer. Irgendwo. Ab und zu griff die französische Polizei durch und verhaftete die jungen Hippies, verfrachtete sie unsanft ins Hinterland, wissend, dass kurze Zeit später alle wieder am Strand waren. Freunde aus Pforzheim bauten sich einen Unimog um und fuhren im Schneckentempo nach Marokko. In Südfrankreich, mitten auf der Fahrt besuchten sie uns. Nach 4 Wochen ging das Geld aus und zurück ging es nach Pforzheim wieder per Anhalter mit dem Daumen. Sonne, Meer und Sand machten uns optisch zu Halbwilden. Wochenlang war ich dann in unseren Kreisen das Gespräch. Immerhin trampten wir ohne jeden Komfort, hatten oft Hunger, standen im strömenden Regen an irgendeiner Straße und übernachtete auch schon mal lange am Straßenrand für eine passende Weiterfahrt. Und alles auf volles Risiko.
BUNDESWEHR
BUNDESWEHR
Der Musterung zur Bundeswehr entgingen wir übrigens alle, entweder an diesem Tag der Musterung mit viel Kaffee im Körper oder in einem Fall durch "Fahnenflucht". Uns einte die Abscheu gegen das etablierte politische System und niemand hätte uns dazu gebracht, ein Gewehr in die Hand zu nehmen. Sympathie für die Linken bestand damals auch: Vorbilder waren Rudi Dutschke und Co. Wir besuchten z.B. unsere Kumpels in der Unistadt Freiburg, wo in der damaligen noch mit Autos befahrbaren Kaiser-Josef-Straße die Polizei sich mit den linken Studenten prügelten und ordentlich Gegenwehr erhielt. Die linke Szene mit allen Brüchen zur bürgerlichen Welt war unsere Welt. Marx, Engels und das Kapital: endlose Nächte und endlose Diskussionen mit billigem Wein und enormen Mengen an Tabak. Selbstgedreht natürlich.
START
1974: Pforzheim war in diesen Zeiten geburtenstarker Jahrgänge ein Problem für den Beruf. Kaum jemand blieb in der Stadt. Zuwenig Arbeitsplätze außerhalb der Schmuckbranche trieben Viele in das Umland oder sogar noch weiter weg. Wer nicht studieren konnte, hatte auch kaum eine passable Chance. Unsere Wohngemeinschaft wurde aufgelöst und jeder von uns zog nun in seine eigene neue Welt. Es tat weh. Und aus der Wohngemeinschaft wurde für mich nun eine kleine Wohnung zu Zweit, ebenfalls im Haidach und mit der ersten Liebe, die mich aus aus der Rebellenecke ins bürgerliche Leben zog. Ich machte den Führerschein und sie begleitete mich im ersten roten Käfer bis zum Ende der Lehre. Es änderte sich nicht nur der Musikgeschmack. Die Haare sorgfältig nach dem Vorbild eines David Bowie frisiert. Überhaupt lernte ich durch sie so etwas wie Kontinuität.Mitte der 70er zogen wir beide von Pforzheim weg ins nahe Nöttingen. Auf das Land, einer kleinen Gemeinde zwischen Pforzheim und Karlsruhe. Dahin wo die Freundin ihre Familie hatte. Ich erhielt zeitgleich meine erste feste Anstellung. Und begann dort meine ersten Berufsjahre im Versicherungsaußendienst. Furchtbar bürgerlich, aber man musste ja von etwas leben. Nicht unerwähnt sei, dass ich der Jüngste in meinem Beruf dort im Außendienst war. Doch das Privatleben litt nicht darunter, denn wir waren nachts in den Kneipen unterwegs, tagsüber durfte ich berufliche Kontaktbesuche meiner Vertreter machen und der Erfolg stellte sich schnell ein. Mit etwas Disziplin im Blut war das Einkommen für einen Ledigen wie mich ganz auskömmlich. Ich war beliebt, aber schon dort recht unkonventionell und (für heute unvorstellbar) trug weder eine Krawatte noch einen Anzug, sondern Jeans und Cordhosen was in dieser Branche in dieser Zeit sehr schillernd war. Das kam bei Kunden und Vertretern auf dem Land gut an. Wir beide trennten uns 1978. Wir beide waren einfach zu jung. Und wieder änderte sich die Richtung.
ÜBERLEBT
Es folgte eine bittere Zeit, die zudem in einem fürchterlichen (unverschuldeten) Unfall am 2.2.1978 bei Wilferdingen endete. Auf der nächtlichen Heimfahrt nahm mir ein Mercedes auf einer Kreuzung die Vorfahrt. Die Fahrzeuge knallten mit ca. 80 km zusammen. Mein VW Käfer hob ab, überschlug sich mehrmals und der Vorderbau drang tief in die Fahrzeugzelle. Das Lenkrad drang bis zum Rücksitz auf der Fahrerseite. Die folgenden Fahrzeuge wurden durch die herumfliegenden Trümmerteile meines Wagens ziemlich beschädigt. Die riesige Verkehrstafel an der Kreuzung in 3 Metern Höhe wurde durch irgendwas heruntergerissen. Ein enormes Bild der Zerstörung bot sich jedem an.
Ich kroch unverletzt durch das fehlende Rückfenster meines geliebten VW 1500ers ins Freie. Unverletzt und nur einigen unwesentliche Blessuren. In meiner rechten Hand hielt ich noch den Schaltknauf. Das Schaltgestänge musste ich wohl (glaube ich) herausgerissen haben, denn der rechte Arm und die Hand fühlten sich an, als hätten sie Tonnen bewegt. Das Unfassbare: ich weiß noch, dass ich auf dem Beifahrersitz saß, als das Fahrzeug auf der Straße wieder zum Stillstand kam. Obwohl ich vor dem Unfall ordentlich angeschnallt war. Na ja, Kopfstützen gab es ja damals auch nicht.
Die Polizei untersuchte das Trümmerfeld, den Hergang und ich weis noch wie heute, dass die Beamten mich ungläubig nach deren Eintreffen bestaunten. Ein derartiges Massaker ohne ernsthafte Folgen in einem Auto zu überleben, das über keinerlei Sicherheitsreserven verfügte und derartig deformiert war, war auch für sie ein Novum. War es Zufall, dass dies so ausging? Und wieder folgte ein Umbruch.
JAGDFREUNDE
Und wieder brachte das Leben einen Umbruch und spülte mich in ganz andere Kreise mit völlig ungleichen Freunden. Werner, der eine recht bekannte Handwerksfirma leitete, Thomas, der Vertreter für medizinische Prothesen und ich machten zusammen die Nacht zum Tag. Fast jeden Tag waren wir zusammen, feierten, hatten jede Menge Spaß. Werner hatte eine umwerfend hübsche Frau, die alle Eskapaden erdulden musste, was nicht selten auch unangenehm wurde. Thomas war ledig, aber seine Gabi gab ihm Halt und Freiheit. Und ich als Jüngster im Trio durfte einfach nur alles mitmachen. Nicht unerwähnt bleibt, dass wir auf eigenartige Weise zwar völlig unterschiedlich waren, aber wie mit Klebstoff "aneinander hingen".
Es war die Zeit der glitzernden Discos zwischen Stuttgart und der Spielerstadt Baden-Baden. Es folgte nun der erste adrette Anzug und das offene Hemd (wir sahen jeder aus wie John Travolta). Man kutschierte lässig auf Abenteuersuche im schnellen BMW oder der Mercedes S-Klasse, denn Werner hatte die Liebe und das Geld dazu. Und am Wochenende jagten wir auch einmal in Hockenheim auf die Rennstrecke. Überhaupt: ich war dazu mit meinem kleinen Golf völlig untermotorisiert.
Werner kaufte sich mehrere potente BMW's nacheinander und wir hatten ihn gerne als Fahrer, der immer in Höchstgeschwindigkeit die Straßen befuhr. Es war einfach oft nur irre, aber es gefiel uns. Unsere kleine Männergruppe war fast jeden Tag und in die Nacht über 2 Jahre zusammen unterwegs. Man frotzelte in den Partykreisen sogar, ob wir nicht homosexuell waren. Waren wir nicht, ganz im Gegenteil. Wer den inzwischen verstorbenen Pforzheimer Boxer Rene Weller kennt, weis eigentlich dazu schon alles. Denn diese Lebe- und Glitzerwelt war aufregend und die Partys mit ihrer wechselnden Besetzung waren oft einfach nur umwerfend. Dies war übrigens auch die spätere Zeit der RAF. An der Autobahn kontrollierte man mit Maschinenpistolen Fahrzeuginsassen. Polizei bzw. die Politik waren bei uns Jungen aber Feindbilder. Einige Freunde waren bei der Pforzheimer Polizei tätig. Man grüßte sich höflich und kleinere Übertretungen hatten natürlich für uns keine Folgen. Man kannte sich halt. Wir waren Kampfsportaffin und man übte auch mal den richtigen Punch und ging zum Boxtraining. Dass abendliche Streifzüge in Discos auch mal unangenehm wurden, sei am Ende bemerkt. Einmal hatten wir Glück, dass schwer bewaffnete Polizei uns aus einer Auseinandersetzung mit übereifrigen Türstehern holen musste. Der Grund war schleierhaft, sicher verwechselten sie uns mit Anderen. So war das damals. Keinen Tag davon möchte ich heute missen und diese Zeit kurz vor den 80ern hatte es in sich. Doch das Leben lies mich unerwartet als Junggeselle schon wieder abbiegen.
Es war die Zeit der glitzernden Discos zwischen Stuttgart und der Spielerstadt Baden-Baden. Es folgte nun der erste adrette Anzug und das offene Hemd (wir sahen jeder aus wie John Travolta). Man kutschierte lässig auf Abenteuersuche im schnellen BMW oder der Mercedes S-Klasse, denn Werner hatte die Liebe und das Geld dazu. Und am Wochenende jagten wir auch einmal in Hockenheim auf die Rennstrecke. Überhaupt: ich war dazu mit meinem kleinen Golf völlig untermotorisiert.
Werner kaufte sich mehrere potente BMW's nacheinander und wir hatten ihn gerne als Fahrer, der immer in Höchstgeschwindigkeit die Straßen befuhr. Es war einfach oft nur irre, aber es gefiel uns. Unsere kleine Männergruppe war fast jeden Tag und in die Nacht über 2 Jahre zusammen unterwegs. Man frotzelte in den Partykreisen sogar, ob wir nicht homosexuell waren. Waren wir nicht, ganz im Gegenteil. Wer den inzwischen verstorbenen Pforzheimer Boxer Rene Weller kennt, weis eigentlich dazu schon alles. Denn diese Lebe- und Glitzerwelt war aufregend und die Partys mit ihrer wechselnden Besetzung waren oft einfach nur umwerfend. Dies war übrigens auch die spätere Zeit der RAF. An der Autobahn kontrollierte man mit Maschinenpistolen Fahrzeuginsassen. Polizei bzw. die Politik waren bei uns Jungen aber Feindbilder. Einige Freunde waren bei der Pforzheimer Polizei tätig. Man grüßte sich höflich und kleinere Übertretungen hatten natürlich für uns keine Folgen. Man kannte sich halt. Wir waren Kampfsportaffin und man übte auch mal den richtigen Punch und ging zum Boxtraining. Dass abendliche Streifzüge in Discos auch mal unangenehm wurden, sei am Ende bemerkt. Einmal hatten wir Glück, dass schwer bewaffnete Polizei uns aus einer Auseinandersetzung mit übereifrigen Türstehern holen musste. Der Grund war schleierhaft, sicher verwechselten sie uns mit Anderen. So war das damals. Keinen Tag davon möchte ich heute missen und diese Zeit kurz vor den 80ern hatte es in sich. Doch das Leben lies mich unerwartet als Junggeselle schon wieder abbiegen.
LEBENSWENDE
Anfang der 80er lernte ich die neue Liebe meines Lebens kennen und die bürgerliche Falle schnappte so richtig zu: wir heirateten und wollten auf noch größere Erfolgsspur. Ich zog aus dem badischen Nöttingen ins Schwäbische und bog in Richtung Karriere in große Versicherungskonzernen ab. Aber auch meine Frau passte dazu: wir führten ein materiell sehr ehrgeiziges Leben. Trotz Job: das Reisen erschloss sich dank meiner Frau nun auch mir. Wir beide reisten jedes Jahr an ferne Ziele.
1981 auf unserer ersten gemeinsamen Fernreise nach Sri Lanka hätte sich alles für uns beide geendet: leichtsinnig schwamm ich die ins offene Meer hinaus und war soweit draußen, dass es kein Zurück mehr gab. Mir was das Ende ganz klar vor Augen. Zufall oder Plan? Einheimische Rettungsschwimmer wurden von meiner Frau alarmiert und zogen mich und einen weiteren Reisenden, der mir zu Hilfe kommen wollte, an Land. Das Leben hatte mit mir scheinbar noch etwas vor.
Wir beide wollten bereits in den späten 80ern aus Deutschland und dem deutschen Korsett auswandern. Zu Zeiten Ronald Reagans, der 1981 bereits amerikanischer Präsident wurde.
1983 Clearwater Beach. Das erste Mal an der Golfküste im Paradies.
1983 Clearwater Beach. Das erste Mal an der Golfküste im Paradies.
1984 reisten wir das erste Mal für mehrere Wochen (!) nach Florida. Der USD lag bei etwa 2,80 Mark. Es war uns egal. Mit 28 Jahren bereisten wir einen US-Staat, der zu diesen Zeiten alles andere als typisch amerikanisch war. Und wir mit unserem deutschen Background und der Offenheit schnell wie Exoten behandelt wurden. Wir wurden bei dortigen Exil-Deutschen herumgereicht und sogen die Freiheit durch unsere jungen Nasen. Danach war nichts mehr wie es war. Wir verliebten uns in Florida, den Sunshine State und in eine Welt, die unserem gesamten Freundes- und Bekanntenkreis bis dahin unerschlossen war. Kein Wunder bei den damaligen Preisen. Und der Flug war bereits eine aufwendige Sache.
Fast 10 Jahre bleibt der Sunshine State unser jährliches Sehnsuchtsziel für viele Wochen. Die Auszeit. Die Flucht. Das ließen wir uns nie nehmen. Egal was es kostete. Wir hatten dort ganz jung aus einer Laune heraus uns ein schönes Grundstück nähe Tarpon Springs gekauft und liebäugelten naiv mit dem Wegzug in die USA.
In dieser Zeit saßen wir vor der deutschen Mattscheibe wegen der Serie "Miami Vice" und fühlten uns tief verbunden mit jeder Szene und nannten Florida unsere Heimat.
Wir bewegten uns an den Orten, in denen die wilden Verfolgungsjagden der Stars gefilmt wurden, wir kleideten uns wie die hippen jungen Amerikaner und tauchten in diese Glitzerwelt magisch ein. Wir besuchten die schillernden Discos, jeden Freizeitpark, fuhren auf die Keys in der Abendsonne über den endlosen Highway im Cabrio.
Unserer Koffer waren bei der Heimreise jedes Mal voll mit der damaligen Elektronik und der tollen Kleidung, die man dort fand. Wer kennt nicht die Telefone für Zuhause mit ihrer riesigen Antenne, die Anrufbeantworter und das Radio für die Ohren? Wir hatten alles. Und wir beeindruckten unsere Umwelt nach jedem Aufenthalt mit dem tief gebräunten Aussehen, das keinen Zweifel an der Herkunft lies.
1991: ein echter Amerikaner war ich optisch damals schon

Ich bog nun auf die deutsche Autobahn ab: 7 Tage Arbeit die Woche, immer unterwegs, Büro, alles gut bezahlt und mit Dienstwagen und guten Spesen ausgestattet. Das verführt. Ich wollte auf diesem Weg einen leitenden Posten. Bekam ich. Headhunter boten diverse Möglichkeiten. Die Finanzbranche war in diesen Zeiten auf Kurs zur Umstrukturierung und auf der Suche nach Frischfleisch und ich war willens, jung und erfolgreich. Direktor, Sekretärin, Personal und so weiter: mein Ego wurde mächtig geschmeichelt. Doch das hatte auch Konsequenzen wie ich später erfahren musste.
UMZUG
In den 90ern zogen wir berufsbedingt nach Freiburg und ich erhielt einen lukrativen Posten als Bezirksdirektor eines namhaften Versicherungsunternehmens. Sekretärin, Personalverantwortung und was alles so dazu gehört.
In den 90ern zogen wir berufsbedingt nach Freiburg und ich erhielt einen lukrativen Posten als Bezirksdirektor eines namhaften Versicherungsunternehmens. Sekretärin, Personalverantwortung und was alles so dazu gehört.
1995 war dann Schluss mit Florida. Der Mauerfall in Deutschland spülte in den Folgejahren Menschen in diesen Staat, der einen großen Tourismusansturm erhielt und alles veränderte. Florida und sein damaliger Aussteigerstatus wich schierem Profit und einem Zuzug aus den anderen US-Staaten. Obwohl wir "nur" Urlauber waren: dieser Abschied tat wirklich weh.
1995
Der Umzug von Freiburg nach Kirchzarten: Ski- und später der Bikesport entschädigte in Vielem. Nach der WM 1995 in Kirchzarten, die wir begeistert miterleben durften, brannte ich für diesen Sport, genauer für das Downhillbiken. Ich besorgte mir professionelles Gerät und alles was dazugehört und tourte damit in alle möglichen Bergstrecken. Neben meinem seriösen Posten.
1997 Scoul Downhillstrecke

Mein Arbeitgeber änderte zwischenzeitlich seine Pläne und vernichtete die jahrzehntelang gewachsene Struktur. Ich wurde beruflich versetzt.
Die erzwungene Dienstsitzverlegung von Freiburg in die grässliche Stuttgarter Innenstadt brachte zwar eine finanzielle Steigerung und noch größere Personalverantwortung, endete aber auch in einem menschlichen Konflikt. Der oben erwähnte menschliche Drecksack/Vorgesetzte hatte nun die Leitung der Organisation für ganz Baden-Württemberg übernommen, schob seinen Günstlingen "die guten Brocken zu" und überlies dem Rest den "Abfall". Damit sicherte er sich den Platz am Vorstandstisch, selbst dann als er für einige Zeit in der Emmendinger Psychatrie landete, weil dieses widerliche Ausmaß an Personalrochade auch sein Nervenkostüm belastete.
Die Folge und das Ende: ich war durch den Beruf fast nie zu Hause und zog entnervt die berufliche Reißleine mit etwas über 42 Jahren, kündigte als leitender Angestellter mit üppigem Salär und fast e.inem Jahr bezahlter Auszeit und führte einen erfolgreichen Arbeitsprozess gegen Europas größte private Krankenversicherung. Ein Unternehmen, das man getrost als eine Jauchegrube menschlicher Existenzen bezeichnen könnte. Und wieder, mit nur 42 Jahren, änderte sich der Kurs.
2003 zogen wir dann von Kirchzarten weg ins Nachbartal.
STÄRKE
Als damals wahrscheinlich Ältester "bretterte" ich mit einer Jahreskarte in Todtnau und meinem Downhillbike die anspruchsvollen Abfahrtspisten bis an das mögliche Limit herunter. Fast Täglich. Ich trainierte dabei meinen Körper und Geist. Dieser Risikosport führte dann in viele Gegenden Europas und gab mir neben reichlich Adrenalin auch eine ungeheure mentale Stärke. In dieser Zeit lernte ich auch den Umgang mit Schmerz kennen und wie stark man mental diesen in Schach halten kann. Für Nichtkenner dieser Disziplin: zwischen Rollstuhl und Gesundheit war es oft nun ein Wimpernschlag. Dieses Risiko war mir immer bewusst.
Ich bin dem beruflichen/menschlichen Sondermüll (wie oben beschrieben) dankbar, denn wie Viele meiner Zunft wäre ich ohne diesen beruflichen Einschnitt unter Umständen im Alkohol, Depression oder dem Selbstmord geendet. Ich machte mich in Freiburg in meiner Versicherungsbranche selbständig. Schon als junger Mann hatte ich das Glück, dass man mich gut "dressieren" konnte und ich willfährig und erfolgsverwöhnt immer "auf Erfolgsspur" war. Das konnte ich auch für mein Start-Up in der erlernten Branche nutzen, denn Disziplin und eiserner Wille steckt in mir tief. Meiner Versicherungsfirma gründete sich in den 90er mit einer sehr guten Geschäftsidee über die neuen Medien. Mit dem Wettbewerbsvorteil der frühen Stunde blicke ich heute auf eine sehr erfolgreiche Zeit eines kleinen Business zurück, das mir eine weitgehend finanzielle Freiheit bis heute sichert.
POLITIK
Zur Politik zog es mich nie, auch wenn reichlich Gelegenheit dazu im Leben gewesen wäre. Schließlich gehörte ich einst "zu denen da oben" in meiner Branche, die vernetzt mit der Politik war. Ich verachtete mein ganzes Leben lang trotzdem Politik/er und deren Anhänger, auch wenn ich in meinem beruflichen Leben immer wieder Berührungspunkte hatte. Doch als Anfang 2020 in Deutschland die Dinge "ihren unrühmlichen Lauf" nahmen, interessierten mich schnell die Hintergründe, sprach ich mit vielen Menschen "aus der kritischen Ecke" (auch wissenschaftlich sehr versierte außerhalb der üblichen Medienblase) und zog für mich daraus die Erkenntnis, dass hier ein geplanter und skrupelloser Betrug stattfand. Dazu gibt es diese Geschichte der Polizeigewalt gegen Bürger in Kirchzarten, die mich tief bewegte. Nach reiflicher Überlegung trat ich der damals noch jungen Partei "dieBasis" am 8.11.2020 bei, wurde Kandidat bei der Landtagswahl 2021 und Mitbegründer des Kreisverbandes dieBasis Breisgau Hochschwarzwald. Die Parteizugehörigkeit beendete ich 2025. Mein Fazit lautet heute: Parteien sind das Problem, nicht die Lösung. Solange die Basis, also die Menschen, ihr Schicksal Anderen Überlassen, ist kein Frieden in Sicht.
(KEIN) ENDE
Ich trete nun nach einem interessanten und vielseitigen Leben in die letzte Lebensphase mit Zielen, die ich ausfüllen werde und angstfrei und mutig "die letzte Abfahrt meistere". Obwohl ich mittlerweile "in Rente bin", die damaligen Freunde aus der wilden Zeit nun leider alle tot sind, führe ich ein weiterhin spannendes Leben zwischen der alten und neuen Welt und kehr(t)e dem Dreisamtal den Rücken.
Liebe unbekannte Leser: es gibt nichts Wichtigeres als den Widerspruch und den Willen zur persönlichen Freiheit. Mein Leben, das ich hier (für mich) skizzierte, hatte zahllose Umbrüche. Wenn man mich biegen wollte, endete dies immer im Widerspruch und einem Kampf gegen das, was mich peinigte. Ich war immer unbequem. Gleichförmigkeit war nie mein Lebensbegleiter. Ich überlebte zweimal das vermutliche Ende. Oder sollte es überleben. Ich werde nicht ruhen und mich nie dem Diktat der Dummen, der Dummheit und der Gleichförmigkeit beugen. Ganz sicher auch nicht dieser verachtenswerten Marionettenregierung und ihren lokalen Vertretern. Dass der Weg zur Lösung der gesellschaftlichen Probleme ein politischer und friedlicher sein wird, halte ich heute für gänzlich ausgeschlossen und es macht mich zornig. Und wie Unheilig in seinem Song Freiheit ausdrückt: seid laut. Deshalb haben wir nun den längst vorbereiteten Plan B umgesetzt und Deutschland verlassen. Sollte die Zeit kommen, in der alte Rechnungen folgenlos beglichen werden können, bin ich nach den Lehren des alten Testamentes dafür wieder da.
FORTSETZUNG FOLGT
Ein freier Mensch bettelt nicht um Freiheit.
Er nimmt sie sich.
(Netzfund)
Vergessen wir nie, dass aufrechtes Gehen die Folge eines gesunden und geraden Rückgrats ist. Die Natur hat es ursprünglich uns Allen bei der Geburt in die Wiege gelegt. Im weiteren Leben wurde uns das Bücken und Kriechen beigebracht. Viele von uns haben es im Lauf ihres Lebens verlernt, sich wieder auf- und auszurichten.
Ein gut ausgerichteter Wertekompass ist eine wertvolle Eigenschaft für das Leben, das bei Vielen leider verdrängt oder gar eliminiert wurde. Im (politischen) Umfeld hilft dies treffsicher, Blockwarte, Denunzianten und Ignoranten zu entlarven und zu erkennen. Sie sind innerlich verwahrloste, radikalisierte und unmoralische Missgeburten, denen der Finger am Abzug juckt und feuern allzu gern ihre selbst gezimmerten Lügen und ihren Hass gegen die Freiheitsliebenden und Kritischen ab. Ihre totalitäre Phantasie verteidigen sie notfalls bis zum eigenen Ende.
Nach den letzten Jahren, insbesondere seit dem Start der P(l)andemie 2020, ist es offensichtlich, dass wir es nicht nur mit einer kleinen Anzahl von Tätern "an der Spitze" zu tun haben, sondern mit einer großen Zahl an Sympathisanten, Mitmachern und selbsternannten schnauzbärtigen Richtern im (klein)bürgerlichen Umfeld. Es ist ein parasitäres Gebilde, ein bösartiger gesellschaftlich wachsender Tumor, der sich durch alle Gesellschaftsschichten zieht. Wer in die deutsche Geschichte zurückblickt, erkennt leicht die Parallelen. Dass am Ende auch die Mitmacher den gnadenlosen Fangschuss von der kriminellen "Elite" bekommen, ist denen nicht bewusst oder schlimmer: egal. Der Einer oder Andere ist eben am moralischen Tiefpunkt der menschlichen Spezie angelangt. Die "Coronazeit" hat eine gnadenlose Selektion getroffen: in Täter und Opfer.
Viertes Flugblatt der Weißen Rose, Juli 1942: "...Vergesst auch nicht die kleinen Schurken dieses Systems, merkt Euch die Namen, auf dass keiner entkomme! Es soll ihnen nicht gelingen, in letzter Minute noch nach diesen Scheußlichkeiten die Fahne zu wechseln und so zu tun, als ob nichts gewesen wäre!..."
